Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoj

1828 - 1910

 

 

Ehrliche Arbeit hat noch keinem Schlösser eingebracht.

 

Wenn ihr behauptet, alle müssten arbeiten, dann sollen es mir alle diese Reichen, die nichts tun, erst einmal vormachen.

 

Es genügt zu erwähnen, dass die meisten Menschen auf Arbeit wie auf eine Gnade warten, um deutlich zu machen, wie entsetzlich unser Leben ist, wie unsittlich, wie töricht.

 

Die Sklaven wurden abgeschafft - die Dokumente über den Besitz von Sklaven -; trotzdem wechseln wir nicht nur täglich die Wäsche, nehmen Bäder, fahren in Equipagen umher, essen zu Mittag fünf Gerichte, wohnen in zehn Zimmern und dergleichen mehr - alles Dinge, die ohne Sklaven nicht getan werden können. Erstaunlich einleuchtend, aber niemand sieht es.

 

Statt dass diejenigen, die von der Arbeit anderer leben, denen dankbar wären, die für sie arbeiten, sind die, welche arbeiten, denen dankbar, die sie für sich arbeiten lassen. Welch ein Widersinn!

 

Welch schrecklicher Irrglaube unserer Welt, Arbeit und Mühe seien eine Tugend: Durchaus nicht, eher ein Laster. Christus hat nicht gearbeitet.

 

Über die Kalmücken gelesen, dass sie nur wenig brauchen und sich bei der Arbeit nicht abrackern wie die Europäer, die sich an tausenderlei ausgefallene Bedürfnisse gewöhnt haben und nun ihr ganzes Leben für deren Befriedigung hingeben.

 


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