Frederick Winslow Taylor

1856 - 1915

 

 

Das stillschweigende oder offene Übereinkommen der Arbeiter, sich um die Arbeit zu drücken, d.h. absichtlich so langsam zu arbeiten, dass ja nicht eine wirklich ehrliche Tagesleistung zustande kommt (...), ist in industriellen Unternehmungen fast allgemein gang und gäbe (...) Zweifellos neigt der Durchschnittsmensch bei jeder Beschäftigung zu langsamem und gemütlichen Tempo bei der Arbeit, und nur (...) unter dem Druck der Verhältnisse wird er sein Tempo beschleunigen.
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Eine ganz unauffällig angestellte Untersuchung ergab, dass ein großer Teil der 10½ Stunden, während der man die Mädchen an der Arbeit glaubte, tatsächlich mit Nichtstun verging (...) Wie diese Untersuchung zeigte, verbrachten bisher die Mädchen einen großen Teil ihrer Zeit in halber Untätigkeit, indem sie gleichzeitig plauderten und arbeiteten.
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Z.B. machte ich Zeitstudien an einem von Natur aus energischen Arbeiter, der seinen Weg zur Arbeit und zurück in einem Tempo von ungefähr drei bis vier Meilen pro Stunde zurücklegte und sogar häufig am Feierabend nach Hause trabte. Beim Betreten der Fabrik jedoch verlangsamte er sofort seinen Schritt bis zu ungefähr einer Meile pro Stunde. Hatte er einen beladenen Schubkarren vor sich her zu schieben, so ging er ziemlich rasch, selbst bergauf, um möglichst schnell die Arbeit zu beenden. Auf dem Rückweg mit dem leeren Schubkarren verfiel er dann sofort wieder in den langsamen Schritt von höchstens einer Meile pro Stunde und benutzte jede Gelegenheit für einen Aufenthalt, so dass man jeden Augenblick meinte, er würde sich niedersetzen.

aus: Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung (1913)

 


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