Bernard de Mandeville

1670 - 1733

 

 

Jeder weiß, dass es eine große Zahl von Gesellen bei Webern, Schneidern, Tuchmachern und zwanzig anderen Handwerkern gibt, die kaum zu bewegen wären, am fünften Tag zu arbeiten, wenn ihr Lebensunterhalt mit vier Tagen Arbeit bestritten werden könnte, und dass ferner Tausende von Arbeitern aller Art existieren, die ihren Lebensunterhalt zwar kaum finanzieren können, die aber fünfzig Unannehmlichkeiten auf sich nähmen, ihre Arbeitgeber verärgerten, hungerten und Schulden machten, nur um sich einen Feiertag zu verschaffen. Wenn die Menschen eine so außerordentliche Neigung zu Müßiggang und Vergnügen haben, welchen Grund hätten wir zu glauben, sie würden jemals arbeiten, wenn sie nicht durch die unmittelbare Notwendigkeit dazu gezwungen würden?
...
Was würde bei einer solchen Entwicklung aus unseren Manufakturen werden? Wenn der Kaufmann Tuch exportieren wollte, müsste er es selbst herstellen, denn der Tuchmacher könnte nicht einen Mann bekommen von den zwölfen, die bei ihm zu arbeiten pflegten...
...
Ja, es ist unleugbar der klügere Weg für alle Menschen einer Gesellschaft und jede private Familie, genügsam zu sein; aber es liegt im Interesse aller reichen Nationen, dass der größte Teil der Armen kaum jemals müßig ist und doch ständig ausgibt, was er einnimmt...

aus: Die Bienenfabel oder Private Laster als gesellschaftliche Vorteile (1723)

 


www.otium-bremen.de