Georg Büchner

1813 - 1837

 

 

Es wird ein Dekret erlassen,
dass, wer sich Schwielen an die Hände schafft,
unter Kuratel gestellt wird,

dass, wer sich krank arbeitet,
kriminalistisch strafbar ist,

dass jeder, der sich rühmt, sein Brot im Schweiße
seines Angesichts zu essen,
für verrückt und der menschlichen Gesellschaft
gefährlich erklärt wird,

und dann legen wir uns in den Schatten
und bitten Gott um

Makkaroni,
Melonen und Feigen,
um musikalische Kehlen,
klassische Leiber und eine kommode Religion.

(...)

Herr, ich habe die große Beschäftigung, müßig zu gehen;
ich habe eine ungemeine Fertigkeit im Nichtstun;
ich besitze eine ungeheure Ausdauer in der Faulheit.
Keine Schwiele schändet meine Hände,
der Boden hat noch keinen Tropfen von meiner Stirn getrunken,
ich bin noch Jungfrau in der Arbeit;
und wenn es mir nicht der Mühe zuviel wäre, würde ich mir die Mühe nehmen,
Ihnen diese Verdienste weitläufiger auseinanderzusetzen.

(...)

Die Bienen sitzen so träg an den Blumen, und der Sonnenschein liegt so faul auf dem Boden. Es krassiert ein entsetzlicher Müßiggang. - Müßiggang ist aller Laster Anfang. Was die Leute nicht Alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile, und - und das ist der Humor davon - Alles mit den wichtigsten Gesichtern, ohne zu merken, warum, und meinen Gott weiß was dazu. Alle diese Helden, diese Genies, diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese Sünder, diese Familienväter sind im Grunde nichts als raffinierte Müßiggänger.

aus: Leonce und Lena

 

Unser Leben ist der Mord durch Arbeit,
wir hängen 60 Jahre lang am Strick und zappeln,
aber wir werden uns losschneiden.

aus: Dantons Tod

 


www.otium-bremen.de